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Sonntag, 30. November 2003

Kunden? Sind die wichtig?


Da geh ich letztens in Kino und sehe dieses schöne Plakat hängen. Geht's noch?
Der Schockwellenreiter verlinkt dazu einen schönen Artikel von futurezone.orf. Besonders empfehlenswert der Absatz "Der Schuss könnte nach hinten losgehen".
Ich gehe seit Jahren ca. 1-2 mal pro Woche ins Kino, und kaufe mir ca. 1 DVD pro Monat. Nur damit ich mir ständig solche Unverschämtheiten bieten lassen muss?
Auf der zugehörigen Website, www.hartabergerecht.de muss ich aussagelose Zahlen wie "30,3 Millionen Spielfilme wurden in Deutschland von Januar bis August auf CD bzw. DVD gebrannt" lesen. Darunter fallen wohl auch die legalen Aufnahmen vom Fernsehen, die viele meine Freunde machen, oder? Ist aber nicht so wichtig.
"Ca. 800 Millionen Euro - so hoch ist der jährliche Schaden durch Raubkopien im Bereich Film allein in Deutschland." - mich würde interessieren wie diese Zahl zustande kommt. Ohne sinnfreie Annahmen wie "jeder, der einen Film kopiert hat, hätte ihn auch gekauft", oder ähnliches wird wohl auch diese Erhebung nicht ausgekommen sein. Traue keiner Statistik, die du nicht selbst gefälscht hast.

Die Fragen und Antworten sind der reine Hohn. Ein Beispiel: "Glauben Sie wirklich, dass Ihre Kampagne Raubkopierer abschreckt?"

Weiter zu den Zielen/Strategien:
Wie wäre es mal mit "6. Ausbau des Kinoerlebnisses / Positive Kundenbindung?"...

Nett auch im "Wir über uns":
... Die ZKM wurde ins Leben gerufen, um Branchenkampagnen zur Erhöhung des Filmbesuchs in Deutschland zu entwickeln ...
Gute Idee. Ich seh mich schon in viel mehr Filme gehen, dank dieser Kampagne.
Und es kommt noch dicker, dieser Schund ist auch noch von der Filmförderungsanstalt gefördert:
"Die Kampagne wird gefördert mit Mitteln der Filmförderungsanstalt FFA."
Klasse. Auf deren Website kann man sich informieren, (->Profil) wie die sich finanzieren. BTW, die oben zitierte "Brennerstudie" ist von der FFA und kann dort auch eingesehen werden.
Wieviel Geld diese Kampagne wohl gekostet hat? Leider finde ich das nirgends...
Naja, wenigstens laufen in einigen Kinos auch Spots gegen die FFA und die Erhöhung der Abgaben.

Update: yauh bringt Licht ins Dunkel: Raubkopierer sind laut §12 Abs. 1 StGB keine Verbrecher.

Update 2: 3DCenter nimmt u.a. die 800 Millionen Schaden auseinander.
Monitor zeigt in einem Beitrag vom Februar interessante Verbindungen zwischen deutschen Steuern und Hollywood auf.
Die Österreichische Seite Internet 4 Jurists titelt mit dem immer bedenlicher werdenden "Schock and Awe"-Feldzug der Musik und Filmindustrie - kollektive Verleumdung als letztes Aufgebot?
wirres.net setzt die Kernaussage "Raubkopierer sind verbrecher" in den richtigen Kontext.
Ausserdem hab ich gerade nochmal in der NETZZEITUNG gelesen, dass die Kampagne auf 2 Jahre angelegt ist. Bitte macht dem ein Ende.

14:55 - Sonntag, 30. November 2003
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